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Einen klassischen Buchverlag für das eigene Manuskript zu finden, kann Monate oder sogar Jahre
dauern und kostet Zeit, Arbeit, Geld (für Porto und Kopien) und Nerven. Die Verlage werden mit Manuskripten förmlich überschwemmt. Wegen der wirtschaftlich angespannten Lage haben viele Verlage ihre
Lektoratsabteilungen drastisch verkleinert oder ganz abgeschafft. Dies hat wiederum zur Folge, dass auch möglicherweise durchaus chancenreiche Manuskripte abgelehnt werden, ohne dass sie überhaupt gelesen wurden.
Viele Verlage sind dazu übergegangen, ausschließlich mit Literatur-Agenturen zusammenzuarbeiten, die als Schnittstelle zwischen Autor und Verlag die Funktion des „Lese-Lektorats“ übernommen haben.
Ein kleiner Tipp: Ein Autor sollte sich zuerst um einen Literatur-Agenten bemühen, anstatt sich direkt an einen Verlag zu wenden.
Falls der Autor einen seriösen Agenten gefunden hat, und dieser Agent tatsächlich das Manuskript bei einem Verlag untergebracht hat, folgt der Schock, wenn es um die Einkünfte des Autors
geht. Viele Newcomer orientieren sich an den in den Medien verbreiteten Honoraren von Bestsellerautoren. Tatsache ist leider, dass nur sehr wenige Autoren gut verdienen. Die überwiegende Mehrzahl der Autoren in
Deutschland kann vom Bücherschreiben allein nicht leben. Wer als Autor seinen Lebensunterhalt verdienen will, muss beispielsweise auch Drehbücher, Rundfunkmanuskripte und Zeitungsartikel verfassen.
Das Bücherschreiben allein wird meist nicht gut genug bezahlt.
Nach den Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft
deutschsprachiger Schriftsteller im Verband deutscher Schriftsteller (VS) sollen Autoren folgende Honorarsätze nicht unterschreiten: 10 % vom Nettoladenpreis für
Hardcover und 6 % für Taschenbücher. Für Taschenbücher werden sogar Tantiemen unter 5 % gezahlt. Es lässt sich leicht ausrechnen, dass ein Autor nur vom Verkauf eines Taschenbuches nicht leben kann.
Und noch ein Tipp: Auch Autoren, die nicht die Absicht haben, berufsmäßig zu schreiben, sollten sich beim VS in der Gewerkschaft ver.di über Musterverträge und Honorarempfehlungen informieren!
Die verkaufte Auflage hängt aber auch von den
verlagsseitigen Werbe- und Marketingmaßnahmen ab. Für ein Buch, von dem der Verlag nur kleine Verkaufsauflage erwartet, wird er sich erfahrungsgemäß nicht sehr engagieren, obwohl das Buch vielleicht das Zeug zum
Bestseller hätte. Und wenn es nicht wie erwartet verkauft wird, ist es nach einigen Monaten aus den Regalen verschwunden, wird verramscht und nicht mehr aufgelegt.
Hier entscheidet allein der Verlag, der Autor hat kaum Einfluss auf die Vermarktung seines Buches. Ein Verlag bestimmt im Sinne einer firmenorientierten Marketingstrategie nicht nur Erscheinungsdatum,
Auflagenhöhe und Aufwand bei der Präsentation eines Buches, sondern z. B. auch Titeländerungen und Kürzungen bzw. Erweiterungen, Aussehen des Covers und die Darstellung des Autors im Klappentext. Ein Lektor
bearbeitet das Werk, damit es optimal in das Verlagsprogramm passt. Der Autor, besonders der Newcomer, hat auch hierbei häufig kein Mitspracherecht. Dies alles
ist völlig normal. Klassische Buchverlage arbeiten so und müssen so arbeiten, um ihr Risiko zu minimieren. Sie setzen ihre gesamte Erfahrung dafür ein, für so viele
Bücher wie möglich die „Deckungsauflage“ zu erreichen, mit der der Verlag schnellstmöglich seine Gestehungskosten gedeckt hat und Geld mit einem Buch verdient.
Ein Autor, der sein Werk über einen Verlag veröffentlichen
möchte, wird also unter Umständen lange Zeit benötigen, um eine Agentur und einen Verlag zu finden. Er wird vielleicht tiefgreifende Änderungen und Kürzungen
hinnehmen müssen und trotzdem wenig Publicity z. B. in Form von Rezensionen bekommen. Im Ergebnis wird sein Buch sich womöglich schlecht verkaufen, und er wird für seine
jahrelange Arbeit im Verhältnis nur sehr wenig Honorar einnehmen. Dies ist der traditionelle Weg der Buchveröffentlichung – ein zuweilen sehr steiniger Weg.
Jeder, der schreibt, hat sich daher sicherlich schon mehr als einmal gefragt:
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Die Entwicklung der letzten Jahre auf dem Buchsektor lässt sich am besten mit dem Fortschritt
vom Film zu Video und DVD vergleichen. Parallel zur professionellen Filmherstellung entwickelte sich ein Amateurfilmbereich, der aber aufgrund generell hoher Kosten, aufÂwendiger Filmbearbeitung, teurer
Zusatzgeräte und wegen der notwendigen Vorführbedingungen (Stichworte: Verdunkelung, Projektionsfläche, anfällige Projektoren) nicht allen, nicht immer und nicht überall zugänglich war. Videokameras sind im
Verhältnis preiswert, sie sind leicht zu bedienen, Videokassetten sind billig und mehrfach verwendbar. Videoschnitt ist einfach, und fertige Videofilme sind unkompliziert vorzuführen. Schnell haben sich eigene
Video-Kunstformen entwickelt. Weder Spezialwissen noch großer finanzieller Einsatz sind noch nötig, um Videofilme zu produzieren. Inzwischen arbeiten auch immer mehr Profis mit Video bzw. mit diÂgitaler
Bildbearbeitung. Viele Fernsehfilme, die meisten Dokumentationen und beinahe alle Nachrichten- und Magazinbeiträge werden auf Video gedreht bzw. digital hergestellt und verbreitet.
Etwas Vergleichbares ist mit dem Buchdruck geschehen. Zunächst wurde der handwerkliche Bleisatz vom computergesteuerten Satzverfahren abgelöst. Dann wurden digitale
Druckverfahren entwickelt, die inzwischen auch qualitätsmäßig mit dem Offsetdruckverfahren konkurrieren können. Vereinfacht stellt sich das so dar: Im Digitaldruck gibt es keine greifbare
Druckvorlage mehr, sondern lediglich Dateien auf einem Datenträger, die sich beliebig oft abrufen lassen, wie Musik von einer CD. Im Offset-Druck müssen die Druckmaschinen auf die Vorlage individuell eingerichtet
werden. Daraus ergibt sich, dass der Druck sich erst ab einer gewissen Auflage lohnt. Das ist im digitalen Druck anders. Die Preisunterschiede sind so minimal, dass
theoretisch der Druck eines Buches in der Auflage von einem einzigen Exemplar möglich ist. Bis zu einer Auflage von mindestens 1.000 Ex. ist inzwischen der digitale
Buchdruck günstiger als der Offsetdruck. Inzwischen arbeiten auch immer mehr Profis mit dem digitalen Book-on-Demand-Verfahren, viele bekannte Autoren nutzen
es, aber auch Verlage, die mit kleinen Auflagen arbeiten, beispielsweise Wissenschaftsverlage.
Wir empfehlen jedem Autor, grundsätzlich eine
Buchveröffentlichung als Book on Demand in Betracht zu ziehen. Die verhältnismäßig geringen Kosten dieses Verfahrens ermöglichen es jedem Autor, sein eigener
Verleger zu werden und die Veröffentlichung seines Buches selbst in die Hand zu nehmen.
Beim Book-on-Demand-Verfahren wird ein Buch digital
bereitgestellt. Ansonsten unterscheidet es sich in nichts von einem Buch, das man aus dem Buchhandel kennt: Es wird (auf Wunsch) mit einer ISBN versehen, ins Verzeichnis
lieferbarer Bücher aufgenommen und kann damit über jede Buchhandlung im deutschsprachigen Raum bezogen werden, und es wird bei amazon.de und libri.de aufgenommen. Wenn
das Buch von einer Buchhandlung oder einem Käufer direkt – z. B. über das Internet – bestellt wird, so wird jeweils nur die benötigte Anzahl Exemplare gedruckt und
ausgeliefert. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, kostengünstige Kleinauflagen (schon ab 25 Ex.) für den Eigenbedarf und -vertrieb herstellen zu lassen. Die
Umwelt wird geschont, weil nur so viel Papier verarbeitet wird, wie tatsächlich benötigt wird. Außerdem entfällt die Lagerhaltung. Auch das senkt die Kosten.
So kann ein Autor, der sein Buch selbst vermarkten oder
einen Teil der Vermarktung selbst übernehmen möchte, flexibel planen und das finanzielle Risiko auf ein Minimum reduzieren. Die geringen Kosten für digitales
Mastering, ISBN usw. ermöglichen es dem Autor, schon ab ca. 200 verkauften Exemplaren den „Break-Even-Point“ zu erreichen. Das ist abhängig von der Ausstattung des
Buches (Hardcover oder Taschenbuch, Seitenanzahl, Coverdesign) und von den gewünschten zusätzlichen Leistungen, um das Buch inhaltlich und äußerlich zu vervollkommnen.
Letztlich muss jeder Autor selbst entscheiden, ob er den
Weg zum klassischen Buchverlag sucht oder die unabhängige Veröffentlichung per Book on Demand wählt, die in wenigen Jahren den Buchmarkt und das Verlagswesen verändern wird.
Bücher zu schreiben und zu verbreiten wird entmystifiziert und popularisiert werden. Zwischen den wenigen marktbeherrschenden Profis und den unterprivilegierten
Amateuren wird sich eine machtvolle „Mittelschicht“ formieren. In der kurzen Zeit seit der Entwicklung des Book-on-Demand-Verfahrens haben sich tatsächlich schon eigene Literatur- und Verbreitungsformen
entwickelt. Die Biographie, die der Verwandtschaft zum runden Geburtstag präsentiert wird, ist nur ein Beispiel; der persönliche Kriminalroman ein anderes. Vielleicht werden bald Schulklassen die Erlebnisse ihrer
Klassenfahrt als Buch herausbringen und Mieter die Geschichte ihres Wohnhauses veröffentlichen.
Selbstverständlich werden die traditionellen
Literaturgattungen in Zukunft weiter leben und wachsen, aber Autoren von Romanen, Kurzgeschichten oder Lyrikbänden werden sich ausprobieren können und ihre Werke ohne großen finanziellen Druck in kleinen
Stückzahlen veröffentlichen. Firmenbiographien und Festschriften bieten öffentlichkeitswirksame und imagefördernde Möglichkeiten für Betriebe, Institutionen
und Vereine, kostengünstig oder sogar mit der konkreten Aussicht einer Refinanzierung ein ansprechendes und hochwertiges Buch selbst herauszubringen.
Abschließend noch ein kleiner Hinweis: Für den Betrag,
den man normalerweise aufwenden muss, um einen Agenten oder Verlag für ein Projekt zu interessieren (Porto, Kopien usw.), lässt sich bereits ein unabhängiges Buch veröffentlichen.
(Zusammenfassung eines Vortrags von Gaby Sikorski [Die Biographen]und Chris Kurbjuhn [MyStory Verlag] im Dezember 2003, Verbreitung und
Abdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren)
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